Frauen, Frauen – Das gestresste Geschlecht?

Frauen – Das gestresste Geschlecht?

 

 

Eine extrem hohe Belastung durch Stress bestimmt den Alltag von Millionen Arbeitnehmern in Deutschland. Das belegt eine Erhebung unter 8000 Beschäftigen für den DGB-Index „Gute Arbeit 2018“.  Dabei leiden vor allem Frauen unter konstant steigenden Stress und dem daraus resultierenden Verlust von Lebensqualität, sowie gesundheitlichen Problemen.

Die Gründe für einen erhöhten Stresspegel bei Frauen sind vielfältig. So verspüren weibliche Angestellte schon während der Arbeit einen oft übermäßig großen „Performance Druck“. Im Klartext bedeutet dies, dass Frauen in der Regel das Gefühl haben wesentlich bessere Arbeit als ihre männlichen Kollegen abliefern zu müssen.

Dies geht aus dem Stressreport 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor. So verausgaben sich Frauen oft schon während ihrer regulären Arbeitszeit regelmäßig um absolut perfekte Ergebnisse abzuliefern und nicht nur mit ihren männlichen Kollegen mitzuhalten, sondern diese zu übertreffen. Im Vergleich dazu gehen Männer ihrem Broterwerb mit wesentlich mehr Gelassenheit nach und neigen weniger zu Perfektionismus. Dieser erhöhte Druck wirkt sich deutlich negativ auf die Befragten aus und führt in einigen Fällen zu Angstzuständen, die hohen Erwartungen nicht erfüllen zu können.

Von der unsichtbaren Doppel-Belastung

Dabei gehen Frauen im Vergleich zu Männern, in der Regel noch einem zweiten Fulltime-Job nach, sobald sie zuhause sind. Denn auch der Haushalt will erledigt werden.

Die Mehrbelastung einer Frau durch das Führen des Haushaltes wird auch 2018 vielfach noch als „keine richtige Arbeit“ abgetan.  Zu diesem Schluss kam die italienisch-amerikanische Wissenschaftlerin Silvia Federica bereits 1975. Geändert hat sich in den letzten 50 Jahren in diesem Bereich leider wenig, denn auch heute werden unbezahlte Tätigkeiten wie das Führen eines Haushaltes oder die Betreuung der eigenen Kinder gesamtgesellschaftlich nicht als Arbeitszeit betrachtet.

So kämpfen Frauen immer noch getreu dem Motto „das bisschen Haushalt macht sich von alleine“ mit einer Doppelbelastung aus Broterwerb und einem zweiten Vollzeit-Job als Mutter und Putzkraft zu Hause.

Neue Erhebungen zeigen, dass auch Männer mittlerweile einen ähnlichen Druck verspüren und durchaus bemüht sind, Familie und Haushalt unter einen Hut zu bekommen. Tatsache ist aber laut einem Bericht der Vereinten Nationen von 2016, dass Frauen in der Regel immer noch etwa drei Mal so viel unbezahlte Arbeit zuhause verrichten, wie ihre männlichen Partner.

Gänzlich übersehen wird dabei oft wie zeitintensiv und kräfteraubend, selbst unkomplizierte Tätigkeiten wie Wäsche waschen und putzen, nach einem vollgepackten Arbeitstag, wirklich sind. Noch deutlicher steigt das Stresslevel berufstätiger Frauen, wenn es sich um eine Familie mit Kindern handelt. Denn auch in der Kinderbetreuung übernehmen zumeist Frauen den Großteil der Arbeit.

„Emotionale Arbeit“ – Schein und Sein

Doch die hohe Stressbelastung von Frauen kommt nicht nur durch eine beständige Doppelbelastung von Haushalt, Familie und Job zustande sondern, wie Untersuchungen der Nova Southeastern University nahelegen, verstärkt auch durch „Emotionale Arbeit“. Der Studie zufolge zeigen Frauen in einer Arbeitsumgebung verstärkt Emotionen, die sie nicht wirklich fühlen. So werden Ruhe und Optimismus ausgestrahlt, die tatsächlich überhaupt nicht vorhanden sind, um dem gesellschaftlichen Druck einer von Männern dominierten Arbeitswelt standzuhalten. Die Diskrepanz zum eigenen Empfinden wird umso größer, wenn Frauen versuchen müssen einer männlich dominierten Rollenvorstellung gerecht zu werden, um ernst genommen zu werden. Das andauernde Schauspiel ist für viele Frauen nicht nur außerordentliräftezehrend, sondern birgt darüber hinaus auch ein hohes Stress-Potential.

Schon allein die Kombination aus Doppelbelastung, Performance-Druck und emotionaler Arbeit, muss also unweigerlich zu einem erhöhten Stresslevel bei Frauen führen. Doch damit nicht genug, auch die Hormone spielen eine wesentliche Rolle im Umgang mit Stress.

Frauen, Frauen – Das gestresste Geschlecht?

Eine Frage der Hormone?

Dass, Männer- und Frauenkörper unterschiedlich auf Stress reagieren ist mittlerweile bekannt. Wie genau sich jedoch eine erhöhte Belastung auswirkt, wurde noch nicht im Detail untersucht. Erste Hinweise auf die Auswirkungen von Stress in Korrelation mit dem Geschlecht gibt aber eine Studie der Eberhard Karls Universität in Tübingen, in welcher die Veränderungen des Hormon-Haushaltes bei steigendem Stresspegel untersucht wurde.

Deutlich wird hier, dass das Stresshormon Cortisol bei Frauen und Männern auf unterschiedliche Art und Weise aktiviert und auch die geschlechtsspezifischen Hormone Testosteron und Progesteron in verschieden hoher Konzentration auftreten. Der ungleiche Anstieg der geschlechtsspezifischen Hormone gibt zumindest einen kleinen Eindruck in die unterschiedlichen Auswirkungen, die Stress auf männliche und weibliche Angestellte haben kann.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine Studie der American Psychological Association, welche den Einfluss von Stress, insbesondere bei Frauen, auf Gesundheit und Wohlbefinden untersucht hat.

Beide Studien legen nahe, dass die Ausschüttung des Hormons Progesteron in Stresssituationen, bei Männern zu einem Fight-or-Flight Komplex führt. Diese also zu einem eher Konflikt bejahenden Verhalten neigen. Im Gegensatz dazu neigen Frauen tendenziell eher zu Sorge und sind bemüht den Konflikt durch sinnvolle Ansätze zu löse, oder einen Kompromiss zu finden. Dies erfordert wesentlich mehr Zeit und Arbeit und so ist es kein Wunder, dass viele Frauen schon früher über Stress klagen als ihre männlichen Kollegen und auch nach einem 8-Stunden-Tag Probleme wälzen, die eigentlich in ihre Arbeitszeit gehören.

 

Gesundheitliche Folgen von Stress

Viele Frauen fühlen sich verpflichtet alles zu tun, und zwar alles in absoluter Perfektion. So soll nicht nur der Job perfekt ausgeführt werden, sondern Frau schmeißt auch noch den Haushalt mit einem blitzsauberen Haus, kocht, organisiert Familientreffen und sieht dabei auch noch gut aus, während Sie dabei entspannt durch das Leben schlendert.  Dieses Ungleichgewicht und das daraus resultierende, beständige Unterordnen der eigenen Bedürfnisse zugunsten einer nicht erreichbaren Perfektion führt nicht nur zu Stress, sondern letztendlich auch zu gesundheitlichen Problemen. So leiden vor allem Frauen durch die andauernde Doppelbelastung und erhöhten Stresslevel an daraus folgenden Krankheiten und Störungen wie schlechtem Schlaf, Angstzuständen und verstärktem Auftreten von Müdigkeit vor einem Herzinfarkt.

Gleichzeitig wird eine Vielzahl dieser Symptome oft mit einem Schulterzucken vom Arzt abgetan und nicht ausreichend behandelt. Die Folgen sind gravierend, da ernsthafte Krankheiten gar nicht oder erst viel zu spät erkannt werden.

Die gute Nachricht ist, dass Frauen wesentlich früher und intensiver bereit sind selbst Verantwortung für ihre Stresslevel zu übernehmen und aktiv an einer Verbesserung des Istzustandes zu arbeiten, laut einem Bericht der American Psychological Association. Einige hilfreiche Methoden dabei sind:

 

Identifizieren der Stress-Faktoren

Um Stress effektiv entgegenwirken zu können, ist es von entscheidender Bedeutung die tatsächlichen Stressfaktoren zu identifizieren. Verursacht beispielsweise die tägliche Arbeit Stress, ist es sinnvoll ganz genau hinzuschauen was den Stress eigentlich auslöst. In der Regel treffen mehrere kleine Faktoren wie ein unfreundlicher Kollege und zu viele Termine aufeinander und potenzieren sich zu einem gewaltigen Berg an Stress. Diese Konflikte lassen sich oft Stück für Stück lösen und sorgen für ein entspannteres Arbeitsklima. Bei besonders starkem Konfliktpotenzial können auch Experten oder andere außenstehende Personen unterstützend wirken.

 

Zeit für Pausen

Früher oft als lächerlich abgetan wird das Konzept von Self-Care langsam aber beständig entstigmatisiert. Denn Self-Care hat letzten Endes überhaupt nichts damit zu tun, sich selbst übermäßig zu pampern sondern viel mehr eine gesunde Basis für das eigene Leben zu schaffen.

Dazu gehören eine ausreichende Menge Schlaf, gesunde Ernährung, Bewegung und gesunde Beziehungen. Helfen können hierbei zum Beispiel auch Atemübungen, eine dauerhafte Fitness Routine oder ein Tagebuch. Also letztendlich alles was dazu führt sich auch geistig eine kleine Auszeit von der Arbeit, sei es zu Hause oder im Job zu nehmen. Wie lange diese tägliche Auszeit andauert, ist dabei nicht entscheidend, auch kurze rekreationale Pausen können das Stresslevel bei Frauen enorm senken und zu mehr Konzentration und Gelassenheit führen.

 

Ehrlichkeit gegenüber den eigenen Schwächen

Dank der immer noch unterschiedlichen Anforderungen an Männer und Frauen innerhalb der Gesellschaft spielen weibliche Angestellte ihr Stresslevel oft herunter. So zeigen sie zwar keinerlei Schwäche, gesund ist dieses Verhalten aber nicht. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig für Frauen sich Bestätigung zu suchen und über einen übermäßig hohen Stresspegel zu reden. Am besten funktioniert dies mit engen Vertrauten und innerhalb der Familie. So lassen sich gemeinsam neue Lösungsmöglichkeiten finden und das eigene Empfinden wird ernst genommen und validiert. Das ist nicht nur für die eigene Psyche gesund, sondern auch für das Zusammenleben der Familie. Denn nur wer das eigene Stresslevel akzeptiert kann gezielt an verbesserten Abläufen und Veränderungen arbeiten.

Frauen haben auch in der heutigen Zeit mit großen Herausforderungen und einer Vielzahl an Anforderungen zu kämpfen, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können. Teilweise sind diese Gegebenheiten noch gesellschaftlich vorgegeben, es gibt aber Möglichkeiten das Stresslevel effektiv zu senken.

Wer also gezielt an seinem Stress arbeitet, sich ausreichend Zeit für sich selbst nimmt und akzeptiert, dass es nicht möglich ist tausend Sachen gleichzeitig zu machen, ist schon auf dem Weg zu einem gesünderen und entspannteren Leben.